Leitbild für Migration und Integration

Präambel

In Freiburg leben Menschen aus der ganzen Welt. Viele sind schon seit ihrer Geburt in Freiburg, andere sind vor längerer oder kürzerer Zeit zugezogen. Wer hier lebt, gehört dazu. Wir in Freiburg – damit ist die Stadtgesellschaft gemeint, die das vorliegende Leitbild erarbeitet hat.
Gemeinsames Ziel der Stadtgesellschaft war und bleibt, dass sich alle Einwohner_innen unserer Stadt gut hier aufgehoben fühlen und auf Grundlage der für alle gleichermaßen geltenden Rechtsordnung respektvoll und wertschätzend miteinander leben und umgehen – unabhängig davon, wie lange sie bereits Freiburger_innen sind.
Zahlreiche Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen haben es sich zum Ziel gesetzt, mit ihrem Engagement ein gelungenes Zusammenleben in unserer Stadt zu fördern. Integration ist keine Einbahnstraße, nicht die bloße Anpassung der neu Hinzugekommenen an die alt Eingesessenen, sondern sie entsteht immer auch durch Aushandlungsprozesse verschiedener Beteiligter.
Um diesen Prozessen gleichsam einen Orientierungsrahmen zu geben, hat der Gemeinderat 2018 beschlossen, das erste „Leitbild Migration und Integration“ der Stadt Freiburg aus dem Jahr 2004 zu erneuern und den aktuellen Rahmenbedingungen anzupassen.
Das Leitbild „Integration“ ergänzt bereits von der Stadt Freiburg beschlossene oder unterzeichnete Leitbilder wie beispielsweise die Charta der Vielfalt oder den Aktionsplan für ein inklusives Freiburg.
Das Leitbild benennt die Ziele der Stadtgesellschaft Freiburg; nicht alle sind realisiert oder in absehbarer Zeit realisierbar.

Der Entstehungsprozess

Ein Ziel des Leitbildes ist, ein breites Fundament für Integrationsbemühungen verschiedenster Formen in der gesamten Stadtgesellschaft zu legen. Es soll den zivilgesellschaftlichen Konsens über die Leitlinien beschreiben, innerhalb derer wir uns alle bewegen und die für uns alle gelten.
Daher wurde es in einem einjährigen Beteiligungsprozess mit zahlreichen Einzelpersonen und Vertreter_innen aus vielen Bereichen der Gesellschaft zusammen erarbeitet. Die Beteiligung an den Diskussionen war offen: alle Freiburger_innen waren eingeladen, sich daran zu beteiligen.
Der Prozess wurde durch Unterstützung der Führungsakademie Baden-Württemberg von einem Moderator_innenteam eng begleitet. Innerhalb von vier großen Beteiligungsveranstaltungen zwischen November 2018 und Oktober 2019 wurden alle interessierten Einwohner_innen dazu befragt, wie sie sich das Zusammenleben in Freiburg vorstellen und welche Werte, Haltungen und Einstellungen unser Selbstverständnis als integrative Stadtgesellschaft am besten wiedergeben. Inhaltlich begleitet wurde der Prozess durch den Migrant_innenbeirat Freiburg.
Die Ergebnisse wurden anschließend durch ein Gremium aus Vertreter_innen von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft sortiert und zusammengefasst und konnten daraufhin online von allen Freiburger_innen danach bewertet werden, wie wichtig die einzelnen Handlungsfelder für das entstehende Leitbild sein sollten.
Die im Leitbild benannten Ziele geben wieder, was die Freiburger_innen in diesem einjährigen Prozess erarbeitet haben.

Integrationspolitische Leitziele

Integration als umfassender, wechselseitiger und dauernder Prozess
orientiert sich an folgenden zentralen Leitzielen:

  • Wir in Freiburg möchten eine offene und vielfältige Stadt sein, diePosition gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art bezieht.
  • Die Basis unseres Zusammenlebens sind Demokratie, das Grundgesetz und die allgemeine Erklärung der Menschenrechte.
  • Wir verstehen Integration als Querschnittsaufgabe der gesamten Stadtgesellschaft. Als solche hat sie die Förderung eines respektvollen, diskriminierungsfreien, toleranten und offenen Umgangs aller untereinander zur Aufgabe.
  • Die gleichberechtigte Teilhabe aller an der Stadtgesellschaft und gleichberechtigte Zugänge zu Arbeitsmarkt, Bildung, politischer Willens- und Meinungsbildung, Gesundheit, Wohnraum, Kultur und allen anderen öffentlichen Bereichen der Gesellschaft sollen allen Freiburger_innen gleiche Chancen eröffnen.
  • Alle Freiburger_innen sollen ohne irgend einen Unterschied, etwa nach biologischem Geschlecht und geschlechtlicher Identifizierung, geographischer und sozialer Herkunft, Religion und Weltanschauung, Alter, geistiger, psychischer oder körperlicher Fähigkeiten und sexueller Orietierung ihre individuellen Identität(en) und Lebensentwürfe entfalten können.

Handlungsfelder

Politische Beteiligung und Vertretung

Inklusive Strukturen werden ausgebaut, um politische Entscheidungsprozesse transparenter zu machen, Barrieren der politischen Teilhabe werden abgebaut und attraktive Rahmenbedingungen zur politischen Beteiligung geschaffen.

Bildung

Wir unterstützen den Ausbau vielfältiger Bildungsmöglichkeiten für
verschiedene Bedürfnisse und Zielgruppen unabhängig von Nationalität und Aufenthaltsstatus. Wertschätzung, Offenheit und Interesse an den Erfahrungen, dem Können und dem Wissen aller sind von besonderer Bedeutung.

Sprache

Spracherwerb und Sprachbildung sollen bei allen, die hier leben, bereits vom Kindesalter an gefördert werden. Dabei werden die vorhandenen sprachlichen Ressourcen wertgeschätzt und Herkunftssprachen unterstützt.

Arbeit

Wir setzen uns für die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt ein.
Unterschiedliche berufliche Erfahrungen und Qualifikationen, formelle und informelle Kompetenzen werden geschätzt und gefördert. Die Vielfalt der Stadtgesellschaft in all ihren Facetten soll sich auch in der Besetzung aller Bereiche des Arbeitslebens widerspiegeln.

Barrierefreiheit

Wir fördern barrierefreie Stadtteile mit sozialer und kultureller Vielfalt, guter Lebensqualität und Begegnungsmöglichkeiten. Wir arbeiten gemeinsam an barrierefreier Kommunikation in allen Gesellschaftsbereichen.

Soziale Gerechtigkeit

Wir setzen uns für soziale Gerechtigkeit ein und wirken zusammen gegen Ausgrenzung und Benachteiligung.

Gesundheit

Das Grundrecht auf körperliche und psychosoziale Gesundheit gilt für
alle Einwohner_innen gleichermaßen. Sprachliche und andere Barrieren zu ärztlicher Versorgung werden abgebaut und Zugänge erleichtert.

Öffentliche Verwaltung

Die öffentliche Verwaltung erleichtert Zugänge zu Informationen aller Art, beispielsweise durch leichte Sprache und Mehrsprachigkeit.
Die interkulturelle Öffnung innerhalb der Verwaltungsstrukturen wird nachhaltig ausgebaut.

Medien und Berichterstattung

Wir setzen uns für die Achtung von Menschenrechten in den sozialen
Medien und eine diskriminierungsfreie Berichterstattung in Print- und Onlinemedien ein und fördern frühe Medienbildung.

Kultur

Wir fördern eine wertschätzende Haltung gegenüber kultureller Vielfalt. Wir unterstützen vielfältige kulturelle und künstlerische Aktivitäten, um Respekt, Achtung und gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Bürgerschaftliches Engagement

Bürgerschaftliches Engagement wird wertgeschätzt und unterstützt.
Initiativen und Einzelpersonen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen, werden in ihrer Arbeit gesehen und gewürdigt. Wir schaffen niederschwellige Zugänge zu Informationen rund um Engagement- und Beteiligungsmöglichkeiten.

Sicherheit und Prävention

Wir nehmen das Bedürfnis nach individueller Sicherheit ernst.
Wir arbeiten gemeinsam und beharrlich am gegenseitigen Verständnis als Basis für ein konfliktarmes und sicheres Zusammenleben. Integration und Inklusion sehen wir dabei als beste Prävention.

Wertediskurs

Wir setzen uns für einen friedlichen und konstruktiven Austausch über gemeinsame und unterschiedliche Werte, Weltanschauungen und Religionen ein.

Sport

Wir erkennen die integrativen Leistungen von Sportvereinen an und sorgen für eine bedarfsgerechte Infrastruktur, um Sportangebote für alle Bevölkerungsgruppen leicht zugänglich zu machen.